Eine belgisch-deutsche Sportlerfreundschaft
In meiner Zeit als
Abteilungsleiter Leichtathletik beim LTV 1861 Lüdenscheid in den
Jahren 1966/70 knüpfte ich Kontakte zu belgischen Leichtathletik-Klubs.
Torhout, Boom und Brüssel waren unsere Partner in Belgien. Überall
wurden wir herzlich aufgenommen. Wenn die Klubs auch nicht reich waren,
so wurde dennoch die Gastfreundschaft groß geschrieben. Wir wurden
meist in den Familien untergebracht. Tolle Feste wurden gefeiert und "Let
Kiss", damals ein Modetanz getanzt.
Nachdem unsere dänischen
Kontakte zunächst eingefroren wurden, galt es auf Partnersuche zu
gehen. Flämisch ist als Sprache leichter als französisch und
so verfiel ich auf die Idee mal im Internet mein Glück zu versuchen.
Ich suchte und fand den AC Olse aus Merksem, einem Vorort von Antwerpen.
Erste Kontakte wurden im Herbst 2000 per E-Mail geknüpft.
In Telefonaten wurde die Sache präzisiert. Am 30.4.2001 besuchten
mich nun der Vorsitzende Bruno Van Steen mit Gattin und Wim Muller, einer
der Jugendtrainer, in Herscheid. Man hatte sich schon in Plettenberg im
Lennestadion umgesehen. Wir haben fest vereinbart, dass der
Olse AC (Homepage) am
Vier-Täler-Cup im September 2001 mit etwa 40 Personen, hautsächlich
Schüler/innen teilnehmen wird. Im kommenden Jahr fahren wir dann
nach Merksem. Eine Zusammenarbeit mit der starken Stabhochsprung-Truppe
wurde angesprochen, als Gegenleistung werde ich mit den Werfern trainieren.
Ich hoffe, dass alle Eltern wie gewohnt Ihre Unterstützung geben
werden und wir eine neue Freundschaft etablieren können.
2002
Nach einem ersten Freundschaftstreffen beim letztjährigen Vier-Täler-Cup
in Plettenberg stand nun der Gegenbesuch in Merksen/Antwerpen auf dem
Terminplan. Das Pfingstwochenende war wie geschaffen für ein verlängertes
Wochenende in Belgien. Am Freitag starte man gegen 15:00 Uhr in Herscheid.
Leider brachte der Rundfunk schlechte Prognosen für ein rasches Vorankommen.
Überall Stau. Auf Schleichwegen ging es dann aber doch einigermaßen vorwärts.
Eigentlich war für den Abend ein gemeinsames Training abgesprochen. Daraus
wurde aber nichts, weil wir nicht rechtzeitig ankamen. Trotzdem konnten
wir den Athletinnen und Athleten u.a. beim Speerwurf und Stabhochsprung
zusehen. Diese Disziplinen werden wegen guter Trainer besonders gepflegt.
Bei einem kleinen Imbiss wurde die Vorhaben des Samstags abgesprochen.
Bei einem Besuch in einer fremden großen Stadt sollte die Gelegenheit
gegeben sein, etwas von der Stadt und der Umgebung kennen zu lernen. Im
Dunklen wurde dann der Weg zum Quartier zu einem Abenteuer, da ein unerwarteter
Stau auf der Autobahn uns abhielt, pünktlich um 22:00 Uhr zur Schlüsselübergabe
anwesend zu sein. Aber es klappte dann doch noch. Unsere Freunde hatten
Schlüssel und Bettzeug schon in Empfang genommen. Wir wohnten im BLOSO
Zentrum für Rudern in Hazewinkel. Kleine Häuser mit jeweils 16 Schlafplätzen
direkt an der Ruderstrecke gelegen. Sehr schön und sportiv. Die Kühle
des Abends hielt die Betreuer nicht davon ab, draußen zu sitzen und schon
mal einen kleinen Tropfen auf ein gutes Gelingen zu trinken. Lange wurde
es nicht ruhig in den Zimmern der Mädchen. Es gibt ja immer so viel zu
erzählen. Nach einem Frühstück im Zentrum ging es zum Sportplatz des Olse
AC, wo der Vorsitzende mit einigen Klubmitgliedern wartete, um uns bei
einer Rundfahrt zu führen.

Es ging in den Norden von Antwerpen, wo an der Schelde ein riesiges Industriegebiet
angesiedelt wurde. Hafenanlagen mit riesigen Schleusen, hochgeklappte
Straßenbrücken hatten viele Teilnehmer noch nie gesehen. Chemieanlagen
von BASF, groß wie eine Stadt mit eigener Versorgung, Straßen, Eisenbahnanlagen,
Krankenhaus, Gästehaus und Verwaltung waren schon bemerkenswert. Ein altes
Fort aus der Zeit der Spanischen Herrschaft war sehr liebevoll gepflegt.
Eine schöne katholische Kirche war der Mittelpunkt. Von hier ging es mit
einer Fähre über die Schelde, um einen Ort anzuschauen, der in Kürze von
der Landkarte verschwinden wird. Er wird von der Industrie aufgefressen.
Eine kleine Wanderung zum nahegelegenen Atomkraftwerk mit seinen 300m
hohen Kühltürmen ging der Ortsbesichtigung voraus. Der schon teilweise
verlassene Ort machte einen traurigen Eindruck. Trotzdem einige Hinweise
auf ungebrochenen Durchhaltewillen. Hatte doch ein Einwohner an seinem
Haus ein Transparent angebracht: "ich weiche nicht, ihr bekommt mein Haus
nur über meine Leiche". Trotzdem gab es noch ein gastfreundliches Caffee,
in dem wir zu Mittag aßen. Man war nur nicht richtig auf einen Besuch
von über 30 Leuten eingerichtet, sodaß wir etwas länger auf das Essen
warten mußten. Es schmeckte dann aber umso besser. Der Busfahrer mußte
dafür eben etwas auf unsere Rückkehr mit der Fähre warten. Die Fahrt ging
weiter durch ein Gebiet, in dem besonders Oelraffinerien angesiedelt waren
auf unvorstellbar großen Arealen. Anschließend stand der Besuch der Innenstadt
auf dem Programm. Schöne alte Patrizierhäuser rund um den Rathausplatz
waren eine Augenweide. Hier wird der Reichtum der alten Handelsstadt deutlich.
Auch die Kathedrale von riesigen Ausmaßen zeugt vom alten Reichtum. Das
moderne Antwerpen hat aber auch seine Probleme. Geld ist nicht im Überfluß
vorhanden. Wunderschön und beim gerade stattfindenden Gottesdienst klang
die Orgel sehr schön. Aber auch das Shopping in interessanten Geschäften
machte Spaß. Da man vom langen Pflastertreten müde wird, kann man in den
Caffees gemütlich im Freien sitzen und dem bunten Treiben zusehen. Leute
aus vieler Herren Länder besuchen diese interessante Stadt. Da zudem eine
Kirmes in der Innenstadt stattfand, konnten die Mädchen überflüssiges
Geld an den Mann bringen. Hier werden die neuesten Fahrgeschäften vorgestellt,
aber die Preise sind dann entsprechend hoch. Da gewann man doch lieber
ein neues Maskottchen, einen großen Bär, für die Mannschaft. Der Abend
klang aus mit einem kleinen Imbiss im Freien am Quartier. An diesem Abend
waren alle rechtschaffen müde. Es waren viele Eindrücke zu verarbeiten.
Für den Sonntag war das internationale Verbrüderungsmeeting terminiert.
Für Olse AC eine besondere Herausforderung. Zum erstenmal wurde ein Wettkampf
für Schüler, Jugend und Erwachsene ausgetragen. In Belgien nimmt der Verband
etwas mehr Einfluß auf die Gestaltung der Wettkämpfe. Insbesondere die
Anzahl der Disziplinen wird klein gehalten. Ungewohnte Gerätegewichte
kommen hinzu. Als Wurftrainer finde ich die Regeln athletengerechter.
Zum Beispiel wird in der W12/13 mit Kugeln von 2kg gestoßen. Die W14/15
wirft mit 500gr Speeren. Mit leichteren Gerätegewichten können auch kleinere
oder leichtere Athletinnen eine gute Technik erlernen. Nun zu den Ergebnissen:
Schi A 100m 3. Sabrina Schöffel 14,38 sek., 4. Christin Kahler 14,59 sek.,
5. Lena Weber 14,73 sek., 6. Hanna Lill 14,77 sek., 7. Jennifer Henrichs
15,32 sek. Leider stolperte hierbei Sabrina ins Ziel und zog sich eine
Verstauchung der Hand und Hautabschürfungen zu, sodaß ein kurzer Krankenhausbesuch
notwendig wurde. Aber gottseidank war es keine ernsthafte Verletzung.
Jennifer Henrichs versuchte sich über 800m und lief 3:09,99 min. Beim
Hochsprung der Schi B übersprangen Marielena Köster und Pia Joseph je
1,10m und belegten die Plätze 5 und 7. Beim Kugelstoßen wurden folgende
Plätze erreicht: 4. Pia Joseph 8,25m, 5. Stephanie Henrichs 7,63m, 6.
Rebecca Lill 7,30m, 7. Jana Dopatka 7,05m, 8. Marielena Köster 6,92m,
10. Vanessa Fehrmann 6,35m und 12. Lisa Körbe 5,36m. Speerwerfen W14/15
2. Hanna Lill 35,85m, 3. Martina Köster 21,63m, 4. Svenja Alberts 18,90m,
5. Christin Kahler 18,90m, 8. Katharina Glingener 14,30m. Hochspringen:
3. Lena Weber 1,45m, 4. Katharina Glingener 1,45m, 5. Svenja Alberts 1,30m,
6. Hanna Lill 1,30m, 7. Jennifer Henrichs 1,25m, 8. Christin Kahler 1,25m.
Gute Ergebnisse gab es im Weitsprung der Schi B. Es gewann Stephanie Henrichs
mit persönlicher Bestleistung von 4,37m, 2. Vanessa Fehrmann 4,24m PB,
3. Pia Joseph 4,14m PB, 4. Jane Kühne 4,10m PB, 5. Lisa Körbe 3,94m, 6.
Marielena Köster 3,71m, 7. Jana Dopatka 3,69m. Bei strahlendem Sommerwetter
war die Stimmung sehr gut. Es wurde vom Olse AC ein Barbeque angeboten,
an dem rund 150 Personen teilnahmen. Auch ein Novum für unseren Partnerverein.
Die Mädchen schlossen beim Wettkampf und dem anschließenden Fußballspiel
schnell Freundschaften.

Das ist nach Meinung von Trainer und Anbahner der Klubfreundschaft Hans
Röcken auch das Wichtigste bei solchen Begegnungen. Der Tag klang mit
einer kleinen Disco aus, bei der jung und alt kräftig gemeinsam tanzte.
Hans Röcken überreichte dem Vorsitzenden Bruno Van Steen ein Gastgeschenk,
das an den ersten Besuch der LG Plettenberg/Herscheid erinnern soll. Dies
findet seinen Platz in der vereinseigenen Kantine,
welche unmittelbar am Sportplatz liegt.

Im Gegenzug überreichte Bruno eine, wie er sagte, Antiquität an Hans Röcken,
ein bleiverglastes Klubwappen vom Jubiläumsjahr 1974. Man kam überein,
dass die Wettkämpfe im jährlichen Wechsel in Plettenberg und Merksem stattfinden
sollen. Der Montag wurde genutzt um die nähere Umgebung der Regattastrecke
zu erkunden oder einfach nur zu entspannen und die schöne Umgebung zu
genießen. Die Heimfahrt ging über Brüssel, wo ungewollt eine kleine Stadtrundfahrt
eingelegt wurde. Die Straßen waren bis Aachen ohne nennenwerten Verkehr,
sodaß man ohne Staus in Herscheid ankam.
Hans Röcken
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